Fledermaus in der Küche??? Ein Anruf morgens um neun.„Hilfe, ich habe eine Fledermaus in der Küche, die schreit fürchterlich!“ Au weia, meine „Kenntnisse“ Fledermäuse betreffend, stammen aus irgendwelchen Horror-, Vampir- und Draculafilmen und Romanen und dem, was jeder so glaubt über Fledermäuse zu wissen --> bissig, Tollwutüberträger, man hört sie nicht, weil sie sich im Ultraschallbereich unterhalten, sie führen ein unheimlich heimliches Nachtleben in und um alte Schlösser und Burgen herum. 
Das war’s dann auch schon!
Auf meinem Schreibtisch liegt eine Einladung zu einem Fledermaus-Seminar, dass im September stattfinden sollte. Tja,  wir haben aber erst Juli. Warum hat dieses Flattertier nicht warten können?? Nun gut, es hat nicht gewartet... also sage ich der Anruferin, sie soll das Tier vorsichtig mit einem dicken Frotteehandtuch aufnehmen und samt Tuch in einen gut schliessenden Karton stecken und herbringen.

1000 Fragen gehen mir durch den Kopf. Ist es wirklich eine Fledermaus? Wieso ist die dann so laut, dass man sie durchs Telefon rufen hört? Was fange ich mit ihr an? Was futtern die in Gefangenschaft? Wie erkenne ich, ob sie krank ist – ob ihr überhaupt was fehlt? Braucht sie Wasser oder etwas anderes? Wie füttert man eine Fledermaus? Wie bringt man sie unter???? Es klingelt... und eine Schachtel, in der mal Männergummistiefel waren, wird abgegeben.

Tja..... nun steht dieser Karton auf meinem Schreibtisch. Im Inneren raschelt und piepst es. In der leisen Hoffnung, es evtl. doch „nur“ mit einer richtigen Maus, im Höchstfall mit einer Ratte oder noch besser, quietschenden Gummistiefeln zu tun zu haben.. hebe ich den Deckel vorsichtig hoch

Es IST eine Fledermaus!!! Eine winzige Fledermaus!!!

Tja....da hockte sie nun.  Daumengross bzw. klein .. dunkelbraunes glänzendes Fellchen, 2 blanke schwarze Knopfaugen.... und „meckerte“ mich mit spitzen kleinen Zähnchen an. "Wie süüüüüüüüss" .. dachte ich, wie ein Vampir siehst du „Gott sei Dank“ nicht aus. Jetzt galt es Bücher wälzen, Internet durchsuchen,  um festzustellen, was da für ein kleiner Flattermann oder kleine Flatterfrau nun  tatsächlich  bei mir hockte. Ja, eine Zwergfledermaus.... etwa 5-6 Gramm leicht... mit einer Flügelspannweite von ca. 20 cm.

Ein paar Telefonate und ich hatte einen Fledermausexperten am Telefon, der mir sagte, das Kleine (dabei war die erwachsen ;-), wie winzig mögen deren Babys sein?) braucht als erstes Wasser, evtl. ein paar Mehlwürmer und mein Eindruck, dass es ein gesundes Tier war, hatte wohl nicht getäuscht. Mir wurde erklärt wie das Wasser zu verabreichen ist.. Vorsicht, nicht beissen lassen. Na toll!! Aber was solls, das Wasser war wichtig, da Fledermäuse schnell dehydrieren. Also.. Wasser und Pipette zurechtgestellt.. ein Gästehandtuch in die Hand .. tief Luft geholt.. Deckel auf --- sie hockte natürlich auf der anderen Seite des riesigen Kartons mit dem Hinterteil zu mir. Deckel drauf.. Karton rumgedreht.. Deckel auf --- DU blödes Vieh.. ich will dir doch nur helfen! Damit wir beide nun nicht den Drehwurm kriegten, Handtuch übers Tierchen und die Hand locker drüber gelegt und ihm (oder ihr?) mit der Pipette das Wasser seitlich an den Mund getropft. Tja, war wohl nix..... sie schüttelte sich so heftig und rutschte unter meiner Hand weg und schimpfte wieder. Also noch mal.... aaahh....endlich, gierig schluckt sie Tröpfchen um Tröpfchen, um dann in den Falten des Handtuchs zu verschwinden. Danach war relative Ruhe im Karton, nur ab und an ein Rascheln und Schmatzgeräusch, sie futterte wohl die 10 Mehlwürmer, die ich ihr gegeben hatte. Mehr gaben die *Vorräte*, die ich auf die Schnelle bei Bekannten auftreiben konnte, nicht her ;-).  Am Abend haben wir dann unsere „Maus“ am Zeittunnel rausgesetzt.

Im Laufe der nächsten Wochen hatte ich es dann mit noch 3 weiteren Fledermäusen zu tun, von denen eine leider eingeschläfert werden musste, weil ich da definitiv nicht mehr weiter wusste.

Es wurde also allerhöchste Zeit, dass wir mehr über diese „Kobolde der Nacht“ erfahren würden, den Umgang mit ihnen, richtige Ernährung, Unterbringung, Anatomie, Behandlung erkrankter und verletzter Tiere usw. Anfang September war es dann soweit.....

das Fledermaus-Seminar begann.....ein ganzes langes Wochenende

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