vincent

Warum Vincent, der Igel, nun doch nicht das Fliegen erlernen musste!

Vincent, der Igel, war schon immer etwas neidisch auf die Vögel – wie sie die Flügel ausstreckten und sich einfach vom Wind durch die Lüfte  tragen ließen. Er hatte ja keine Flügel. Traurig lugte er zu seinen kleinen Beinchen: „Wie soll ich denn jemals fliegen können?“ dachte er nicht zum ersten Mal. Sein Onkel erzählte ihm immer die wildesten Geschichten, von Eulen, die ihn immer bis hinter den letzten Nadelbaum geflogen. hätten.
Eines Tages, sagte er sich immer, würde er dort auch hinfliegen.

Doch dann musste er immer unwillkürlich an seine zu kurzen Beinchen und die Tatsache denken, dass er kein Vogel, sondern ein plumper kleiner Igel war. Eines Tages trifft er vielleicht auch eine Eule, welche seinen Traum wahr werden lassen könnte.

Vincent war nach etwas Süßem. Also nahm er die Abkürzung durch den verlassenen Fuchsbau zum Gebüsch mit den leckeren Himbeeren. Nach ein paar Minuten Pflückerei traf er eine alte Bekannte ‚Luise Maus‘.

Sie unterhielten sich, aber Vincent wusste (wie jeder im Wald), dass Luise ständig dieselbe Geschichten von ihren vielen Enkelkindern erzählte. Darum lenkte er das Thema direkt auf seine Herzenswünsche. „Du Luise? Hast du dir nicht auch schon mal gewünscht, fliegen zu können? So richtig, wie die Vögel, meine ich?“ Luise dachte kurz nach: „Nein, aber ich hab schon mal von fliegenden Mäusen gehört. Die heißen Flederlermäuse oder so!“ Rasch folgte die nächste Frage: „Ich möchte ja so gerne fliegen können, weißt du zufällig wo diese Fledermäuse…………….. “ „Ähm, Flederlermäuse“ unterbrach ihn Luise. Vincent fuhr fort: „Na gut, dann eben Flederlermäuse. Jedenfalls weißt du, wo die Kerle sich verstecken?“

In diesem Moment plumpste es etwas großes neben Luise auf den Boden. Schwupp, stand eine Eule vor den Beiden. „Huch!“ sagte Vincent „kannst du auch fliegen oder nur plumpsen?“ Luise lachte los, doch die Eule fand das offensichtlich gar nicht lustig. „Boah“, sagte sie „fangen und landen muss ich wohl noch üben!“.

Vincent konnte sich nicht halten und brüllte förmlich los: „Das ist mir egal, Hauptsache du bringst mir das Fliegen bei!“ Die Eule schien verwirrt, dennoch sagte sie: „Na ja, das ist eigentlich ganz einfach: du nimmst Anlauf und fliegst einfach los. Ach ja, fast hätte ich es vergessen,  du musst noch die Flügel ausbreiten!“ Der Igel jaulte: „Alles schön und gut, aber ich hab ja keine Flügel, die ich ausbreiten könnte!“ „Versuchs doch einfach mal. Schaden kann es ja nicht! Ich zeig es dir!“ sagte die Eule und rannte los. In Nullkommanix konnte man ihre Flugkünste bestaunen. Von oben rief sie Vincent zu: „Und jetzt du!“

Der kleine Vincent rannte auf einen Abhang zu. Doch bevor er sich versah oder gar abheben konnte, hatte er sich schon reflexartig zusammen gerollt, so dass er einfach den Abhang runter kullerte. Die Eule und Luise staunten nicht schlecht. „Wie hast du das denn gemacht?“ fragten sie. „Keine Ahnung, aus Reflex?“ antwortete Vincent.

„Egal wie, aber das musst du mir unbedingt beibringen!“ verlangte die Eule. Doch auch mit Vincents Anweisungen wollte es einfach nicht klappen. „Und nun Vincent?“ sagte Luise belustigt, „jetzt kannst du etwas, was kein anderer sonst schafft!“

Vincent hatte eine Sache gefunden, die NUR er konnte und  er hatte einen neuen Freund gewonnen!  Eigentlich wollte er nun gar nicht mehr fliegen lernen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fliegen und kullern und lachen sie noch heute !

 

Text und Zeichnung: Thorben Gellesch, 12 Jahre