Ende Februar 1998: Es hat geschneit und es ist saukalt. Aber wenn mal die Sonne scheint, darf ich raus. Das ist toll. Sich im Schnee wälzen und auf gefrorenem Boden rumkratzen macht viel Spass.

Meinen Menschen hat es wohl auch gefallen, denn sie kamen immer gucken und freuten sich dann auch!

Anfang März 1998: Immer noch ist alles weiss draussen. Natürlich habe ich sofort gesehen, dass die Küchentür auf stand... ich habe gleich einen Besuch bei meinen Leuten gemacht. Da es so schnell ging, hatte ich diesmal kein Überraschungsgeschenk mit. Eine Scheibe Brot, en schöner Apfel und einige gekochte Kartoffeln habe ich mir einverleibt und es hat richtig gut geschmeckt. Fotografieren mit Blitzlicht mag ich nicht und ich bin gegangen. Die restlichen Kartoffeln durfte ich dann draussen essen. 

Das Leben ist schön. Alle lieben mich und ich liebe alle!! Man schubbelt mir den Rücken und den Bauch, schenkt mir Leckerbissen und sagt mir immer wieder...

BOBO, du bist ein richtig toller Kerl!!

März 1998:  Am liebsten mag ich im Moment saftiges, weiches Futter. Bei Möhrchen, Brot und krümeligem Futter lasse ich mir sehr viel Zeit beim Essen. Meinen Leuten gefällt das gar nicht und sie glauben, ich esse nicht genug. 

Der Schnee ist weg und die Wiese ist ganz weich. Ich habe wieder mal ein tolle Idee! Hinschmeissen, wälzen, mit den Beinen strampeln, aufspringen und wieder hinschmeissen. Einfach schööön! Allerdings war ich danach nicht mehr weiss, sondern schwarz, braun, grün und grau. So richtig saudreckig, ich fühlte mich mal wieder so richtig jung und glücklich!

gegen Ende März 1998: Man hat mich abgebürstet und abgerubbelt von vorne bis hinten und oben und unten. Ist richtig gut, obwohl man dabei stillstehen muss. Mein Fell und meine Mähne sind jetzt ganz weich und locker. Manchmal frage ich mich, woher meine Leute wissen, was mir gerade gut tun würde? 

Heute sind wir ein Stück weit gefahren und haben andere Pferde besucht und alle haben mich ganz lieb begrüsst. Ein Mann hat sich meine Zähne beguckt und fand sie wohl nicht so toll. Er müsse sie reparieren. Oh-oh!! Wieder zu Hause hat man mir gesagt, dass alle ganz stolz auf mich wären!

Irgendwie ist mir komisch! Das Kauen strengt an und meine Haut juckt. Überall muss ich mich schubbeln und das Essen dauert laaange. Beim Bürsten gehen mir viele Haare aus ich sehe bestimmt komisch aus Meine Leute sagen dann: Männer brauchen nicht schön sein, nur stark und klug!! GENAU .. das bin ich ja auch!
Am Mittag ist der Doktor gekommen. Er beguckte sich mein Fell und fand das, genau wie ich, eigentlich nicht so schlimm. Das käme von dem vielen Hunger, den ich früher immer hatte, sagt er. 
Aber meine Zähne, die haben es ihm angetan, leider! Er hat gefeilt und geschrubbt und gekratzt. Das tat ziemlich weh! Er hat mir erzählt, ich könnte nun wieder besser essen. Der Gedanke gefiel mir, darum habe ich auch still gehalten. Aber am liebsten hätte ich ihm kräftig in den Hintern getreten. 

Nein ----- ich bin doch ein anständiges Pferd!!!

Anfang April 1998: In meinem Mund rumort es immer noch ein bisschen. Aber ich kann tatsächlich besser essen. Gut, dass ich nicht zugetreten habe!
Was das wohl ist.. ein "Kollege für BOBO"? Alle reden davon, aber mir erklärt natürlich keiner was.
Ich hatte eine ruhige nette Woche. Geärgert hat mich nur, dass ich eine Menge fieses weisses Zeug schlucken musste - gegen Würmer!!! Iiiiii-gitt !!!
Es ist schon dunkel und ich höre, dass unten einige Aufregung herrscht. Es kommen fremde Leute und stellen mir ein Pferd in den Stall
in meinen Stall!!
Den Eindringling habe ich aber mal eben kurzerhand wieder raus geschmissen. Soll das etwa der "Kollege" sein? Er kam nach nebenan.

April 1998: Ich habe mir den neuen Nachbarn mal genauer beguckt.
Ihr könnt es Euch nicht vorstellen:
klein, braun, superblond und die Figur!!!!
Ich bin begeistert und ich glaube, die mag mich auch. Sie heisst CHARLOTTE und ist sooooo niedlich.
Charlotte und ich mögen uns. Aber in meinem Stall muss sie nicht schlafen. Das ist mein Zimmer, mein Futter und mein Wasser! Gegen einen kurzen Besuch -tagsüber- habe ich nichts. Das geht in Ordnung (so unter Kollegen). 
Ach das Leben ist so schön! Oft werden wir auf ein grosse Wiese gebracht, dort können wir so richtig toben und rennen.
Uns geht es gut. Was ist eigentlich "URLAUB?"
25. April 1998: Heute war der Doktor wieder da. Charlotte hat "Haarlinge" und mir welche abgegeben. Wir werden mit Kernseife und viel Wasser abgewaschen und mit irgendwas stinkigem dauernd eingeschmiert. Davon sollen diese Haardinger weggehen. Na hoffentlich!!

6. Mai 1998: Jetzt weiss ich was URLAUB ist. Charlotte ist weg! Man hat sie mir einfach weggenommen! Ich will sie wieder hier haben!!! Sie dürfte sogar in meinem Stall schlafen - na ja.... manchmal. Sogar die juckenden Haardinger hätte ich behalten - na ja.... vielleicht.

7. Mai 1998: Die ganze Nacht hab ich nach meiner kleinen, schönen, blonden Freundin gerufen. Als es hell wurde, habe ich beschlossen, sie zu suchen. Ich habe die Stalltür eingetreten, einen Zaun umgenietet und bin im Affentempo die Strasse runter gerannt und immerzu: CHAAAAARLOOOOOOOOTTEEEE gerufen! Ich habe sie nicht gefunden und man hat mich zurück geholt. Meine Menschen waren fast genau so aufgeregt und traurig wie ich. Keiner weiss so recht, was man machen kann, damit ich wieder fröhlich werde. Und... ich weiss es auch nicht!
13. Mai 1998: Nach einigem Hin und Her und viel Überlegungen haben sie mich mit dem Hänger zu vielen anderen Pferden gebracht. Bestimmt finde ich hier neue Freunde, ganz bestimmt. Meine Leute glauben das wohl auch, sonst hätten sie mich nicht hierher gebracht.

10. Juli 1998: Mittlerweile bin ich schon fast acht  Wochen hier. Neue Freunde habe ich und es kommen zwei Mädchen, die mich sehr mögen und ab und an mit mir spazieren gehen. Das macht Spass. Charlotte vermisse ich nun nicht mehr so doll... fast gar nicht mehr. 

Meine Leute kommen täglich, bringen mir mein Lieblingsfutter, schmusen  und unterhalten sich mit mir.

Also: MIR GEHT ES RICHTIG GUT!!

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