Eine kleine Geschichte, die ich 1998 einmal aufgeschrieben und gezeichnet habe - für unser Tierschutzheft. Jetzt habe ich sie für mein Enkelkind wieder raus gekramt und überarbeitet. Ich denke mir, sie würde vielleicht auch anderen noch einmal gefallen und Freude machen.

Es ist die Geschichte von BOBO, einem kleinen Pferdchen, welches mal eine Weile in der alten Auffangstation gelebt hat. Es hat sehr viel Leid mitmachen müssen. Bobo hat viel erlebt bei uns und wir mit ihm. 
Wir alle müssen noch oft an diesen kleinen Kerl denken.

Viel Spass damit! 

16. Dezember 1997: Ich stehe auf einer schmutzigen Wiese, habe Hunger und mein rechtes Auge tut ein bisschen weh. Es ist kalt und meine Knochen klappern richtig. Heute waren zwei Leute hier, haben mich gestreichelt, fanden mich "süss", ein bisschen zu mager und wunderten sich, dass ich nicht krieche. Das mit dem "Kriechen" habe ich nicht verstanden, aber alles andere hörte sich richtig gut an.
20. Dezember: Ich habe immer noch Hunger und mir ist kalt. Manchmal träume ich von einem warmen Stall, mit Stroh und Heu und von warmen Händen, die mich streicheln.
Die netten Leute sind wieder da, ob die mich besuchen wollen? Oh, die nehmen mich mit. Man stellt mich in einen Pferdewagen, bin gespannt wo es hingeht! Wir fahren lange, aber Angst habe ich nicht. Ich glaube, ich kann den netten Leuten vertrauen. Es ist dunkel, als wir endlich ankommen. Es riecht gut hier, nach Heu und Stroh und Tieren. Man führt mich in einen Stall. Er ist warm und voll Stroh und Heu. Träume ich etwa? Obwohl ich müde bin, muss ich mir erst mal den Bauch mit Heu voll schlagen.
ES IST KEIN TRAUM!!

21. bis 23. Dezember: Lauter nette Leute kommen mich besuchen. Immerzu sucht jemand irgendetwas im Stall und findet nichts. Ich glaube, die suchen meine Pferdeäpfel. Ich schiebe sie nämlich immer ganz unter das Stroh, weil ich nicht drauf liegen mag.
Sie suchen immer noch und ich glaube, sie sorgen sich deswegen. Sie streicheln mich und reiben mir den Bauch. Das ist schön, deshalb zeige ich denen meine "Äpfel" nicht.
Ich habe frisches Stroh in den Stall bekommen und das alte wurde weggeräumt. Jetzt haben sie meine "Äpfel" gefunden, haben gelacht und mir Möhrchen gegeben. Vielleicht schenke ich den Menschen ja mal ein paar als Überraschung!
Ich wollte gerade einschlafen, da kam noch Besuch. Der Mann war sehr nett zu mir, er beguckte sich meine Zähne und das rechte Auge, hörte sich an, wie ich Luft hole und fand mich viel zu dünn. Dass ich fast 20 Jahre alt bin, weiss ich nun, aber der Mann nennt mich dauernd "Nr. 70". Das ist mir doch zu blöd!!
Ich will einen richtigen Namen haben!
immer noch Dezember 1997: Jetzt bekomme ich ein neues Futter, schön weich und saftig und lecker. Das soll mich dicker und kräftiger machen. In mein Auge bekomme ich auch etwas; das Brennen da ist nun schon viel besser und die Menschen sagen, es würde sicher bald ganz aufhören.
Es geht mir so richtig gut, ich kann auf die Wiese gehen -weil Bewegung hungrig macht, sagen sie.  Dann stelle ich mich dicht an die Treppe und bettele um Möhrchen.
Mein Trick: ganz, ganz nah dran an die Stufen - sofort kommt einer und unterhält sich mit mir und streichelt mich. Das mag ich sehr!
Es gibt hier noch mehr Tiere, sie alle bekommen auch immer frisches Heu und Möhrchen. 

Januar 1998: Ich habe immer noch keinen richtigen Namen. Dicker, Süsser, Dummi, Dino, Henry, Kurtchen - neee --- das ist alles nicht richtig!

Hurra, ich habe einen Namen! Ich heisse
BOBO

Klingt einfach schöööööööööön! 

Ich könnte tanzen vor Freude!

Ausserdem wollte ich mir einmal den "Stall" (heisst das so?) meiner Leute ansehen und dort meine "Überraschung" abgeben, aber irgendwie ging leider die Tür nicht richtig auf.

Januar 1998: Ich werde immer etwas kräftiger. Aber leider kann ich trotzdem nicht die Treppe zum Hof runter klettern. Meine Leute haben nämlich eine Tür davor gestellt. Dabei würde ich so gerne beim Heuverteilen helfen!
Endlich ist es mir aber gelungen, ich habe die Küchentür zum "Stall" meiner Menschen auf bekommen. Leider waren die aber nicht da. Ich habe mir alles angesehen. Stroh gab es dort nicht und kein richtiges Pferdefutter. Aber die Brotstücke waren auch lecker und es war richtig doll warm dort.
Meine Überraschung -ein paar richtig schöne Pferdeäpfel- habe ich auf den Küchenboden gelegt und dann brav gewartet, bis meine Leute gekommen sind.
Die Überraschung war wirklich perfekt!! Die haben sich so gefreut; ich glaube, die wussten nicht, ob sie lachen oder weinen sollen.
Leider durfte ich nicht da bleiben, aber bestimmt besuche ich meine netten Menschen bald wieder!

Ende Januar 1998: Wenn ich ausgeschlafen habe, bringt mir jemand ganz viel gutes Futter, sagt: "Guten Morgen Bobo" und dann passiert eine Weile nicht viel. Später macht dann jemand die Stalltür auf und ich darf raus. Zuerst schaue ich dann immer in die Küche, aber meine Menschen haben viel zu tun und nicht immer Zeit für meinen Besuch.
Manchmal steht auf der Küchentreppe tolles Spielzeug, das kann ich hin und her schubsen. Das klirrt und klappert und kracht. Leider kommt dann sofort jemand und räumt die Scherben weg und schimpft ein bisschen.
Da ich schlau bin, lasse ich dann einfach ein bisschen den Kopf hängen ... und prompt gibt es leckere Möhrchen für mich!
Meine Menschen mögen es nämlich überhaupt nicht, wenn ich traurig bin!
Februar 1998: Heute hat es mir zu lange gedauert, bis sie meine Tür aufmachten. Also habe ich ein bisschen am Verschluss gekaut und geknabbert und ein bisschen gedrückt, da ist die Tür dann ein bisschen aufgegangen. Nicht so ganz richtig, aber weil ich immer noch ein bisschen dünn bin, konnte ich mich durchquetschen. Die Idee war richtig gut, das Wiesentürchen war auf und ich habe mir mal die anderen Tiere angeguckt, die auch immer Heu kriegen. Die armen Kleinen sassen alle hinter Gittern, aber traurig sahen sie eigentlich nicht aus.
Dann habe ich geholfen Heu und Stroh zu verteilen. Das war lustig. Ich bekam Möhrchen und durfte an den Körnern rumknabbern, die überall rumliegen.

Das mache ich jetzt öfter, das habe ich mir fest vorgenommen.

Februar 1998: Ich habe übrigens festgestellt, dass Knabbern und Kauen an der Küchentür nicht reicht um die Tür auf zu bekommen. Meine Menschen klopfen immer kräftig dagegen und schon macht jemand die Tür auf und sie gehen rein.
Als ich das versucht habe, waren alle doch ziemlich erschrocken.

Sie haben mich auf die Wiese gestellt und die Wiesentürchen wieder alle zugemacht. Vielleicht habe ich zu fest geklopft, bin ja inzwischen ganz schön stark geworden.

Beim nächsten Mal werde ich vorsichtiger sein!

Ach ja.. und es schneit!

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