März 2003. Der Vorfrühlingswind pfeift noch eisigkalt in den Bergen im Osten Bulgariens. Der Boden ist noch hartgefroren und überall liegen noch Schneereste. An einem Baumstumpf angekettet, mit einer nur 1 m langen Eisenkette die in einem Nasenring endet, hockt auf schmutzigem plattgetretenem Stroh - Violeta. Das Fell hängt ihr in Fetzen vom Körper, an einigen Stellen ist es ganz weg. Sie schlottert vor Kälte. Neben ihr steht eine Schüssel mit gefrorenem Wasser, ein paar alte Stücke Weissbrot und und vertrocknete Maiskolben liegen neben ihr. Violeta ist abgemagert, viel zu klein für ihre 15 Jahre. Sie schafft es kaum, den Kopf zu heben, um ihre Retter an zu schauen. 

Noch am Ort wird sie mit einem Betäubungsgewehr von einem Tierarzt narkotisiert, von der Kette und den Ringen an der Nase und den Lefzen befreit. Violeta wird in eine Auffangstation gebracht, wo sie fachgerecht betreut werden kann.

November 2003. Der Winter hat bereits mächtig zugeschlagen. Eine dicke Schneedecke hüllt alles ein. Eisiger Wind wirbelt die Schneeflocken umher. Vor einem alten Haus an einem Baum angekettet - Dobri. Die knapp 1m lange Eisenkette lässt ihm kaum Bewegungsfreiheit. Sie endet in einem der Nasenringe. Es gibt noch mehr Ringe in den Lefzen auf beiden Seiten. Sie scheinen zu schmerzen, denn Dobri mag kaum den Kopf bewegen. Abgemagert und verdreckt und stinkend hockt er auf dem Boden in seinen eigenen Exkrementen. Einige Stücke Weissbrot über die etwas Zucker gestreut ist, liegen neben ihm. Keine Wasserschüssel ist zu sehen. Dobri bekommt fast nur Alkohol zu trinken, damit er schön ruhig bleibt. Schon als Dobri noch ganz klein war, wurde ihm in das bisschen Milch, welche er bekam, Schnaps dazu gegeben. Er schaut aus müden trüben Augen, stumpf nur gerade aus. Sein Oberkörper bewegt sich .. langsam im gleichen Rythmus .. immer vor und zurück .. vor und zurück - ohne Unterbrechung.

Er wird noch an Ort und Stelle mit einem Betäubungsgewehr narkotisiert, von Kette und den Nasen- und Lefzenringen befreit.

Bis zu ihrer Befreiung haben u.a. diese beiden Braunbären ein unsägliches Leben hinter sich gebracht. Als Wildfänge (in Bulgarien oder Russland) wurden sie ihrer Mutter bereits als Babys weggenommen, (was übrigens bedeutet, das sie in der Regel die Mütter getötet worden sind), um dann qualvoll zu Tanzbären abgerichtet zu werden. In den ersten Lebensmonaten  wurden sie ganz knapp mit Milch und Weissbrot (vermischt mit Alkohol-um sie ruhiger zu haben) gefüttert. Sie sollten möglichst lange klein und niedlich bleiben, um den Touristen mehr Geld aus der Tasche zu locken.

Bereits im Alter von 5-7 Monaten fing man dann an, die Bärchen zu "trainieren" und "abzurichten". An Eisenringen in der empfindlichen Nase und den Lefzen, z.T. sogar durch den Unterkiefer gebohrt, wurden kurze Eisenketten und Stricke befestigt, um den Bär in Schach zu halten. Der Bärenführer war sich ja im Klaren darüber, dass er es mit einem starken Wildtier zu tun hatte. Den Bären wurde die Hinterfussballen mit Vaseline eingerieben und dann stellte man sie immer wieder auf heisse Blechplatten oder Steine oder glühende Kohlen. Die Vaseline sollte die Hitzeeinwirkung noch verstärken. Gleichzeitig wurde eine bestimmte Musik immer wieder abgespielt. Um dem Schmerz zu entgehen, bzw. ihn zu lindern, heben die Bären abwechselnd immer einen Fuss hoch und versuchen, sich im Kreis drehend -bedingt durch die kurzen Ketten und Stricke- dem heissen Untergrund zu entkommen. 

Aus Angst vor den Schmerzen, die diese heissen Platten verursachen, wird der Bär nun immer dann automatisch anfangen, die Füsse zu heben und sich zu drehen, wenn sein "Peiniger", der Bärenführer, diese bestimmte Musik abspielt. Ein Braunbär "tanzt" also nicht aus freien Stücken -wie es den Touristen im Allgemeinen erscheint- sondern schlicht aus Angst vor neuerlichen Schmerzen. 

Um den Bär ruhig zu halten, wird ihm mit dem Wasser oftmals viel Alkohol eingeflösst. Das Futter ist karg und besteht in der Regel aus trockenem Weissbrot (vielleicht noch mit etwas Zucker drüber gestreut) und ein paar trockenen Maiskolben. Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig! Die Unterbringung *hmm, davon kann man normalerweise gar nicht sprechen.. die Bären werden, wenn sie nicht ihre "Tänze" vorführen, einfach an einen Baum gekettet und vegetieren dort in unsäglichem Schmutz -den eigenen Exkrementen- vor sich hin, bei jedem Wind und Wetter. 

Tanzbärenpark Belitsa  Der TANZBÄRENPARK Belitsa ist das größte europäische Bärenschutzzentrum seiner Art, liegt ca. 170 km südöstlich von Sofia im Rilagebirge und umfasst 120.000 Quadratmeter natürlich strukturiertes Gelände.

Im 2002 gegründeten TANZBÄRENPARK Belitsa haben ehemalige Tanzbären die Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Die Bären können in den großzügig angelegten Wasserbecken baden, im Areal graben, umherstreifen, klettern und sie haben die Möglichkeit, sich in die weiten Waldflächen und die Höhlensysteme des Areals zurückzuziehen.

Zurück zu Violeta. Die Bärin lebt heute im Bärenschutzzentrum Belitsa. Sie hat an Gewicht zugelegt, ist aber immer noch sehr zart und viel zu klein. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Ihr geht es inzwischen ansonsten recht gut, hat gelernt, wie gut frisches Obst und gutes Bärenfutter schmeckt, mag schwimmen und sich in der Sonne das Fell trocknen lassen.

Dobri ..ihn hat es nicht soo gut getroffen. Der viele Alkohol hat seine Augen dermassen geschädigt, dass er blind bleiben wird. Untersuchungen haben ergeben, dass auch eine Operation sein Augenlicht nicht wieder herstellen würde. Aber .. ansonsten hat er sich gut erholt. Lebt zufrieden, so gut er eben kann, im Bärenschutzzentrum und darf dort in aller Ruhe einfach bärig alt werden.

Vier Pfoten - lesen hier weiter. "Vier Pfoten" unterstützt das Tanzbärenprojekt BELITZA vorbildlich! <-hier können Sie weitere Einzelheiten nachlesen. Auch wie man dieses Bärenschutzzentrum unterstützt. Und Sie erfahren, dass es auch noch weitere solcher Schutzzentren gibt.. auch in Deutschland ..... dazu gibt es später auch hier noch mehr 

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