Kaum Verbesserung durch die neue Verordnung!

Im Januar 07 trat die neue Verordnung zum Schutz von Tieren beim Transport in Kraft - doch leider gab es kaum Verbesserungen für die Tiere. Der Deutsche Tierschutzbund hatte sich dafür stark gemacht, die geltenden Bestimmungen zu Transportzeiten und Ladedichte zu ändern, doch wurden die gültigen Regeln - und damit die Hauptmissstände - in die neue Verordnung übernommen. Zwar werden die Transportfahrzeuge in Zukunft durch satellitengestützte Systeme überprüft, doch nötige Veränderungen zu Gunsten der Tiere wurden für Jahre auf Eis gelegt. Jährlich werden über 360 Millionen Tiere durch Europa und über seine Grenzen hinaus hin- und hertransportiert. Dabei kommt es regelmässig zu Verletzungen der zusammen gepferchten Tiere. Die momentane und auch weiterhin gültige Gesetzgebung für Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen lässt Transportzeiten von 29 Stunden am Stück zu. Erst danach muss eine Pause von 24 Stunden eingelegt werden. In den Lastwagen herrschen Temperaturen bis 35 Grad - und sind so vom Gesetzgeber auch erlaubt. 

-aus: du und das tier 2/2007

Endstation Beirut

Obwohl sich durch das Staatsziel Tierschutz unsere Ausgangsposition für den Einsatz der Tiere nachhaltig verbessert hat, haben wir unser Ziel, den Schutz der Tiere in unserem Sinne zu verändern, noch nicht erreicht. Nach wie vor gilt es, bestehende Missstände ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, um zu deren Beseitigung beizutragen. 

Nach wie vor rollen Transporter, dicht beladen mit lebenden Tieren quer durch Europa, lebende Tiere werden zur Schlachtung weit über die Grenzen Europas hinaus in Drittländer transportiert, z.B. bis in den Libanon - mehr als 360 Millionen Tiere jährlich, Geflügel nicht einmal mitgerechnet. Und nach wie vor ist keinerlei Verbesserung für die Tiere in Sicht.

Nach jahrelangem Ringen haben die EU-Agrarminister im November 2004 zwar eine neue europäische Gesetzgebung zum Schutz der Tiere beim Transport beschlossen, die 2007 in Kraft treten wird. Die Anforderungen dieser Verordnung bleiben aber weit hinter den Erwartungen zurück. Denn für die heftig umstrittenen Hauptproblempunkte
-Transportzeiten-Ladedichten-Anforderungen an das Klima- wurden die aktuell gültigen Gesetzesregelungen unverändert übernommen - und damit auch die unerträglichen Rahmenbedingungen, unter denen tagtäglich etwa eine Million Tiere transportiert werden.

Zudem wird das Leiden von jährlich etwa 200.000 lebenden Rindern aus Europa noch immer mit EU-Geldern subventioniert. Für das Jahr 2005 stehen bis zu 77 Millionen Euro an Ausfuhrerstattungen bereit. 

Die ZDF-Reportage "Endstation Beirut 37°" hat diese Missstände erneut schonungslos aufgedeckt. Bereits in den Jahren 1991, 1996 und 2000 hatte der Filmautor Manfred Karremann die unzumutbaren Zustände bei der Verladung von Rindern mit dem Ziel Naher Osten mit der Kamera dokumentiert. Im Jahr 2005, abermals fünf Jahre später, fand er exakt die gleiche Situation vor. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, hatte ihn bei seinen Recherchen begleitet und mit Entsetzen festgestellt: Es hat sich so gut wie nichts geändert! Im Gegenteil! Was Apel dort erlebte, liess ihm kalte Schauer den Rücken herunterlaufen. "Das Leid der armen, geschundenen Tiere" so der Deutsche Tierschutzbund, "ist unerträglich". Die Odyssee der Rinder aus Norddeutschland, die zur Schlachtung ausser Landes transportiert wurden, führte Wolfgang Apel bis in den Libanon. Bereits der Transport der Tiere auf deutschem Boden war aus tierschützerischer Sicht eine erhebliche Zumutung: Fast zwei Tage waren die Tiere unterwegs, bis sie den Verschiffungshafen Sète (Südfrankreich) in der Nähe von Marseille erreicht hatten! Die ganze Zeit über auf engstem Raum zusammengepfercht. Die Verladung der etwa 1.200 Rinder von den LKWs auf das Schiff wurde für die Tiere zur Höllenqual: Mit Elektrostäben trieb man sie auf einen Frachter, der einem Seelenverkäufer gleichkam. Gemeinsam mit unzähligen Leidensgenossen, die auf die gleiche Weise angekarrt worden waren, warteten sie dort darauf, ihre Reise in den Tod fortzusetzen. In den Augen der Tiere konnte man die Angst, buchstäblich das Flehen um Hilfe, sehen. Und dabei war dieses erst der Anfang einer mindestens sechstägigen Schifffahrt auf dem völlig maroden und, was die Wasser- und Futterzufuhr für die insgesamt etwa 3.200 Tiere betrug, technisch verrotteten Frachter. 

Wie viele Tiere während der Überfahrt von Séte nach Beirut qualvoll verdurstet sind oder aufgrund ihrer erheblichen Verletzungen verenden, wurde nicht bekannt. Endlich in der Hauptstadt des Libanon angekommen, musste das Team die entsetzliche Entladung der Tiere miterleben - auf Fahrzeuge, auf denen hierzulande nicht einmal Baustoffe befördert würden. Als der Schiffskran in Bewegung gesetzt wurde, erlebte Wolfgang Apel, was er bereits befürchtet hatte: Unzählige schwer verletzte, völlig entkräftete Rinder, die nicht betäubt worden waren, wurden aus dem Rumpf des Schiffes gehievt und buchstäblich aus mehreren Metern Höhe auf einen wartenden Transporter herunter geworfen. Das geschah offenbar nach dem Motto 'Bis zur Schächtung (betäubdungsloses Schlachten) auf dem 40 Minuten entfernten Schlachthof werden sie schon noch überleben'. Was auch zutraf.

Was diesen Skandal noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass er durch grosszügige Subventionszahlungen der EU gefördert wird. Unsere Steuergelder machen aus dieser masslosen Tierquälerei ein lukratives Geschäft.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund

Bewertung des Deutschen Tierschutzbundes

Subventionen sind ausnahmslos zu streichen! Es hat sich erwiesen, dass die Tierschutztransport-Gesetzgebung zum einen kaum durchsetzbar ist. Zum anderen gewährleistet auch eine stringente Durchsetzung nicht, dass die Tiere ohne Leiden transportiert werden, da die Anforderungen der Gesetzgebung an sich nicht genügen!

Ferner endet die (soweit überhaupt stattfindende Kontrolle) bei der Erstentladung im Drittland. Das weitere Schicksal der Tiere (Weitertransport und Schlachtung oder gar Schächtung) entzieht sich jeder Kontrolle und bleibt völlig ungewiss!

An der Kette der subventionierten Tierqual ist der Bauer beteiligt, der sein Tier an die skrupellosen Exporteure verkauft, wie auch der Spediteur, der die Tiere im Auftrag transportiert. 

Allgemeine Forderungen zur Verbesserung von Tiertransportbedingungen:

  • Transport von Schlachttieren nur bis zum nächsten Schlachthof

  • Regionalisierung der landwirtschaftlichen Produktion und Dezentralisierung der Schlachthofstrukturen

  • Eine zeitliche Begrenzung aller Lebendtiertransporte auf ein einziges Fahrtintervall. Richtwert: Nationale Transporte dürfen eine Transportzeit von etwa 4 Stunden, internationale von etwa 8 Stunden nicht überschreiten

  • Die umgehende und dauerhafte Streichung aller Subventionen für Lebendtiertransporte

  • Höhere Transportstandards: u.a. geringe Ladedichte, strikte Vorgabe für Temperatur und Luftfeuchtigkeit

  • Verbot elektrischer Treibhilfen

  • Strenge Definition der Transportfähigkeit

  • Drastische Erhöhung und Verschärfung der Kontrollen, um die einwandfreie Durchsetzung zu gewährleisten durch u.a. eine Erhöhung der Kontrollkapazitäten und Ausweitung der Kompetenzen, verpflichtende Kontrolle der Be- und Entladung durch Amtstierärzte

  • Wirksame und strikte Ahndung von Verstössen, Erhöhung des Strafmasses

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